60 Jahre deutsche Akupunktur

Dr. med. Hanjo Lehmann


60 Jahre Geschäftsidee "Deutsche Akupunktur" -
60 Jahre wissenschaftliches Desaster
 

 1) Ein beispielloser Erfolg

Am 15. Dezember 1951 gründete der Arzt Gerhard Bachmann in München mit einigen Mitstreitern die "Deutsche Gesellschaft für Akupunktur". Später wurde daraus die "Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA)". Diese feierte am 18. November 2011 etwas voreilig ihr 60-jähriges Bestehen.

Gefeiert wird eine beispiellose Erfolgsgeschichte: Pro Kopf der Bevölkerung gibt es heute in Deutschland doppelt so viele Akupunkteure wie in China (Deutschland ca. 1 auf 2000 Einwohner; China ca. 1 Akupunkteur auf 4000 Einwohner). Mehr als 30.000 Ärzte und ca. 15.000 Heilpraktiker bieten Akupunktur an. Mehr als 20 kommerziell orientierte Gesellschaften führen Kurse durch, wobei Leiter wie Dozenten dieser Gesellschaften sich in der Regel durch eine Gemeinsamkeit auszeichnen: Obwohl von den ca. 15.000 überlieferten chinesischen TCM-Manuskripten bisher kaum mehr als eine Handvoll in westliche Sprachen übersetzt wurden, sind sie außerstande, auch nur die Originaltexte ihres Faches zu lesen.

2003 gelang es dem vereinigten Antichambrieren der sonst tief entzweiten deutschen Akupunkturgesellschaften, auf dem 106. deutschen Ärztetag die "Zusatzbezeichnung Akupunktur" zu etablieren.

2005 machte das Hamburger "Universitätsklinikum Eppendorf" (UKE) einen Versuch, Deutschlands ersten Lehrstuhl für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einzurichten. Das scheiterte, nachdem bekannt wurde, dass der vorgesehene Bewerber kein Chinesisch konnte, also ebenso wie fast alle deutschen Aku-Dozenten nicht einmal die Originalquellen seines Fachgebietes hätte lesen können.

Auf den gegenwärtigen Stand der Dinge werde ich weiter unten zu sprechen kommen.

 

2) Wehe, wehe, wenn ich auf den Anfang sehe

Verschwiegen wird von den Aku-Gesellschaften, womit der scheinbar überwältigende Erfolg der Akupunktur in Deutschland erkauft wurde: mit 60 Jahren wissenschaftlichem Desaster. Das begann gleich mit der Gründung der ersten Akupunkturgesellschaft. Und es setzte sich nahtlos bis heute fort.

Denn die sich da seinerzeit als Lehrer aufspielten, wussten von Stechen, Erwärmen und Stimulieren nur das, was sich zwei Franzosen dazu ausgedacht hatten. Gerhard Bachmann und seine Freunde, die gerade erst Hitler überlebt hatten, waren gleich wieder auf die nächsten Betrüger hereingefallen. Nämlich erstens auf George Soulié, der sich selber den Adelsnamen de Morant zugelegt hatte. Zweitens auf dessen Schüler Roger de la Fuye, ein Neffe von Jules Verne.

Soulié behauptete ab 1931, er hätte in China zwischen 1901 und 1910 Akupunktur gelernt. In Wahrheit hatte er dort nie eine Nadelung gesehen, geschweige denn selbst eine vorgenommen. In seinen mehr als 30 Büchern, die er bis 1931 veröffentlichte, fällt denn auch das Wort "Akupunktur " kein einziges Mal. Roger de la Fuye, sein Schüler, war ihm offenbar auf die Schliche gekommen. Aber statt die Öffentlichkeit aufzuklären, kopierte er lieber das Rezept Souliés und behauptete, er hätte die Akupunktur in Japan gelernt. So wurde er für die Deutschen zum wichtigsten Lehrer. – Näheres dazu in dem Beitrag "Akupunktur im Westen – am Anfang war ein Scharlatan" (erschienen im Deutschen Ärzteblatt 30/2010) sowie auf dieser Webseite.

Doch was de la Fuye und Soulié lehrten, hatte mit chinesischer Medizin wenig zu tun. Das erste deutschsprachige Akupunktur-Lehrbuch (1952 "Die moderne Akupunktur" von de la Fuye, übersetzt von Heribert Schmidt) ist ein einziger Witz:

- Yang ist hier gekennzeichnet durch "Zusammenziehung, Schwerkraft, Zentripetalkraft", Yin hingegen durch "Ausdehnung, Steigkraft, Zentrifugalkraft" (tatsächlich trifft beide Male das Gegenteil zu).

- Akupunktur ist definiert als "Nutzbarmachung schmerzhafter Hautpunkte für Diagnose und Therapie" (tatsächlich ist die Mehrzahl der Punkte weder spontan noch auf Druck schmerzhafter als ihre Umgebung).

- Die Meridiane sind "Bahnen, in denen Energie fließt" (weiteres dazu siehe unten).

- Von den Punkten heißt es: "Es reicht, von jedem Meridian die sechs wichtigsten Punkte zu kennen, nämlich Tonisierungs- und Sedierungspunkt, Luo-Punkt, Quellpunkt, Alarmpunkt und Zustimmungspunkt" (womit beispielsweise von den 5 meistverwendeten Punkten der Akupunktur bereits 2 wegfallen würden, nämlich Magen36-Zusanli und Milz6-Sanyinjiao).

- Beruhend auf den "Weiheschen Druckpunkten", werden die Akupunkturpunkte in ihrer Wirkung mit homöopathischen Präparaten gleichgesetzt, und dies rechts vielfach mit anderen Präparaten als links. (Lustigerweise werden diese Unterschiede im klinischen Teil des Buches völlig vergessen: Bei den therapeutischen Anweisungen werden nur die zu nadelnden Punkte angegeben, nicht aber, ob man sie rechts oder links stechen soll).

- Als normale Stichtiefe wird 3 bis 4 Millimeter genannt, nur in Sonderfällen 10 Millimeter.

- Von der chinesischen Diagnostik existiert nur ein Ausschnitt, und zwar ausgerechnet deren spekulativster Teil: Demnach soll der Zustand der "Organe" direkt an drei Handpuls-Taststellen festgestellt werden, und zwar oberflächlich andere Organe als in der Tiefe, dazu rechts andere Organe als links. Dies ohne jeden Hinweis darauf, dass beispielsweise die "Leber" der TCM mit der biologischen Leber nicht das geringste zu tun hat, ebenso wie die "Niere" oder "Milz" der TCM-Körperlehre.

- Dazu ein seltsames Organ samt Meridian mit dem Namen "Kreislauf-Sexualität" (beruhend auf einem Irrtum Souliés, den dieser selber bald korrigiert hatte, der aber noch jahrelang in den Büchern herumgeisterte).

- Kern der Akupunktur sollte es sein, mit Goldnadeln zu "tonisieren" und mit Silbernadeln zu "sedieren".

 

3) Chinesische Medizin ohne China und ohne Chinesisch

So also fingen sie vor 60 Jahren an, die ersten deutschen Akupunkturlehrer: mit einem Sammelsurium verschrobener Konzepte und missverstandener Begriffe. Hinzu kam eine stümperhafte Technik: die Nadeln wurden geradezu in den Punkt geschraubt. Dies mit einem Nadelmaterial (kurze, dicke Gold- und Silbernadeln), wie es in China nie existiert hatte.

Keiner der Gründerväter der "Deutschen Gesellschaft für Akupunktur" sprach oder las chinesisch. Keiner kannte China. Die Vernunft hätte geboten, alle Aussagen der Franzosen nur unter Vorbehalt zu übernehmen – so lange, bis man sie anhand der chinesischen Literatur und der chinesischen Praxis hätte bestätigen können. Aber das war und ist das Dilemma der deutschen Akupunkteure: sie wollten schnell Geld verdienen, mit Nadeln und mit Unterricht. Chinesisch zu lernen, die Quellen zu studieren und die Realität in China zu erforschen, hielten sie für Zeitverschwendung. So nahm das Desaster seinen Anfang.

 

4) DÄGfA = "Deutsche Ärztegesellschaft für Abschreiben"

Dennoch verkauften die Deutschen das französische Gebräu den eigenen Schülern und Patienten ungeniert als "chinesische Akupunktur". Ebenso gläubig wie schamlos schrieben sie von den Franzosen ab, selbstverständlich, ohne das jemals im einzelnen kenntlich zumachen. Woher stammten die therapeutischen Empfehlungen (insbesondere die Punktkombinationen), die ab 1952 in der "Deutschen Gesellschaft für Akupunktur" gelehrt wurden? Keiner der frühen deutschen Akupunkteure belegte seine Aussagen mit ihren Quellen. Keiner überprüfte seine Quellen. Und so ist es bis heute geblieben.

In 60 Jahren deutscher Akupunkturliteratur gab es kaum eine Handvoll Autoren, die ihre Quellen offenlegten: Litschauer, Palos, ich selber. Ansonsten Abschreiber und Plagiatoren: Bachmann, Schmidt, Stiefvater, Bischko, Zeitler, Schnorrenberger, Bahr, Kampik, Stux, Hecker, Steveling und und und ... zum Haareausraufen.

 

5) Einige Fragen des gesunden Menschenverstandes

Und keiner von ihnen stellte Fragen – nicht einmal solche, die schon der gesunde Menschenverstand aufdrängte.

Zum Beispiel diese sogenannten "Meridiane", in denen angeblich "Lebensenergie" fließen sollte. Das sollte in einem 3-fachen Kreislauf geschehen, wobei jeweils 4 Meridiane einen Umlauf bildeten: von der Brust zur Hand, von der Hand zum Kopf, vom Kopf zum Fuß, vom Fuß zurück zur Brust. Jeder Meridian hatte nicht nur einen oberflächlichen Verlauf, auf dem die Akupunkturpunkte liegen sollten. Sondern es gab bei jedem angeblich auch einen inneren Zweig. Dieser sollte über dasjenige Organ verlaufen, nach dem der Meridian (im Westen) seinen Namen trägt, beim ersten Umlauf also Lunge, Dickdarm, Magen und Milz. Dann Herz, Dünndarm, Blase, Niere. Drittens "Herzbeutel" oder Perikard (bei Bachmann "Kreislauf-Sexualität") – ein Organ, das nur aus Symmetriegründen in der Akupunktur auftaucht, und ansonsten in der gesamten TCM nrigends. Ebenso obskur die "Drei Erwärmer" ("Sanjiao"), von denen es ebenso wie vom "Herzbeutel" schon im TCM-Klassiker Nanjing heißt, beide hätten "einen Namen, aber keine Form" – also auch keinen Ort, durch den etwa ein "Meridian" fließen könnte.

Nun sollte es von diesen Umläufen aber nicht nur einen geben, sondern zwei, nämlich einen auf der rechten und einen auf der linken Körperseite. Beide – und damit die rechts- und linksseitigen Akupunkturpunkte – verlaufen an der Körperoberfläche auf beiden Seiten absolut symmetrisch. Frage: Wie ist das möglich – da doch die inneren Verläufe zumindest einiger Meridiane (wenn es sie wirklich gäbe) auf keinen Fall symmetrisch verlaufen könnten?

Denn auch den Chinesen war ja bekannt, dass zwar die Niere beidseits vorhanden war (obwohl eine davon als "Lebenstor" galt). Andere Organe, wie Leber oder Herz, lagen auch in Chinas Körperlehre asymmetrisch. Selbst wenn das Huangdi Neijing, die Bibel der TCM, an einer Stelle behauptet "Die Lunge liegt rechts, die Leber links", so lag doch auf der Hand, dass der innere Verlauf etwa des rechtsseitigen Herz-Meridians (wenn er denn wirklich übers Herz verlief) länger sein musste als der innere Verlauf links. Wie also war es möglich, dass bei unterschiedlichen inneren Verläufen die äußeren Verläufe (und damit die Akupunkturpunkte) rechts und links absolut symmetrisch waren?

Eine Frage des gesunden Menschenverstandes, aber keine für die schläfrigen deutschen Akupunkteure. Auch – und zwar bis heute – keine Frage, die jemals in den Lehrinhalten der deutschen Akupunkturgesellschaften aufgetaucht wäre.

 

6) "Organuhr" und Energiemaxima nicht-existenter Organe

Oder der "Fluss des Qi" in den rechten und linken Umläufen. Angeblich, so besagte es die ominöse "Organuhr", hatte in 24 Stunden jedes der 12 Organe bzw. Organsysteme ein 2-stündiges Maximum, und ein anderes gleichzeitig ein "energetisches Minimum". Soulié hatte das aus einer seiner Quellen, nämlich dem "Zhenjiu Dacheng". Auf die Idee, dass dies, wie in der alten chinesischen Medizinphilosophie massenhaft anzutreffen, pure Spekulation sein könnte, kam weder Bachmann noch seine Mitstreiter.

Lächerlich war schon, dass es diese Minima und Maxima auch bei solchen Organen geben sollte, die wie der "Herzbeutel" außerhalb der Akupunktur gar nicht existierten. Wohin also sollte das "Qi" (falls es nicht ebenso ein Phantasieprodukt war wie der "Herzbeutel") da fließen?

Derart gefragt, behelfen sich die Dozenten der DÄGfA und der anderen Aku-Gesellschaften mit einem Trick: es gehe, so behaupten sie, nicht um "Organe", sondern um "Funktionskreise", und diese seien es, die solche Maxima und Minima hätten. Aber das ist ein durchsichtiges Geschummel. Erstens deshalb, weil doch das Qi in den Leitbahnen ("Meridianen") fließen soll, also in Strukturen mit eindeutigem räumlichem Verlauf – andernfalls wären anatomische Karten mit Punkten und Leitbahnen völlig widersinnig. Also müssten auch Maxima und Minima (oder bei Schmerzen angeblich "Stauungen" des Qi) sehr wohl an bestimmten Orten vorhanden sein, und nicht bloß bei diffusen, nicht lokalisierbaren Funktionen.

Albern war das aber auch deshalb, weil Soulié de Morant, de la Fuye und ihre deutschen Schüler völlig vergaßen, dass die Organe, die das "Zhenjiu Dacheng" meinte, solche im Sinne der TCM-Organlehre waren, nicht aber die realen Organe der Biologie. Decken taten sich deren Funktionen (jedenfalls mehr oder weniger) lediglich bei Lunge, Magen, Dünndarm, Dickdarm und Harnblase. Aber selbst da war es absurd, dass die maximale Funktion der Lunge zwischen 3 und 5 Uhr morgens liegen sollte, also dann, wenn sich die Menschheit im Tiefschlaf befand. Oder nachts von 1 bis 3 Uhr das angebliche Funktionsmaximum der Leber, die im TCM-Sinn das Zentralorgan des Zorns und der Entscheidungskraft war. Oder dass das funktionelle Maximum des Dickdarms 8 Stunden später sein sollte als das des Dünndarms.

 

7) Was hält rechten und linken Meridian-Umlauf im Gleichtakt?

Es gab noch einen anderen Aspekt, der bei solchen spekulativen Albernheiten völlig außer acht gelassen wurde. Entscheidende Voraussetzung dieser ominösen Maxima und Minima wäre natürlich, dass der Qi-Fluss in den rechten und linken Umläufen absolut synchron erfolgte. Aber welche Kraft, welches Organ, welche Funktion sollte das gewährleisten? Das Herz nicht, denn dessen Funktion als Pumpe war den Chinesen unbekannt. Und die inneren Verläufe zumindest von Herz- und Lebermeridian waren (siehe oben) rechts und links unterschiedlich lang. Folglich mussten sie zum Durchfließen doch wohl unterschiedlich viel Zeit benötigen. Außerdem sollten Schmerz und Fehlfunktionen angeblich durch "blockiertes Qi" entstehen. Aber was passierte mit dem rechten Umlauf, wenn es links Schmerzen gab, also das "Qi" im linken Umlauf an einer Stelle blockiert war? Musste da nicht über kurz oder lang das Qi in den rechten Umläufen völlig losgelöst und asynchron von den rechten Umläufen fließen?

Anders gefragt: Gab es (wenn man denn das Modell gedanklich übernehmen wollte) auch nur den geringsten Anlass anzunehmen, das Qi in den rechten und linken Umläufen könnte über Jahre und Jahrzehnte synchron verlaufen, ohne dass (wie im realen, von Harvey entdeckten Blutkreislauf) irgendein Organ, irgendeine regulierende Instanz das gewährleistete? Nein, überhaupt nicht. Und doch übernahmen die braven Schafe, die sich da in Deutschland nach 1951 als Lehrer der chinesischen Medizin aufspielten, wie alles andere auch diese Konstrukte von den Franzosen.

Kleines Juwel am Rande: der Österreicher Johannes Bischko, von allen Märchenerzählern der deutschsprachigen Akupunktur der geschwätzigste, hatte am Anfang irgendetwas in den falschen Hals gekriegt. Und während alle anderen Autoren bei der "Organuhr" das Maximum der Lunge wie Soulié und de la Fuye von 3 bis 5 Uhr angaben, verlegte es Bischko in seinen Büchern in die Zeit von 4 bis 6 Uhr. Auch die Maxima und Minima aller anderen Organe waren bei ihm jeweils um eine Stunde verschoben. Und in all den Jahrzehnten, in denen sich die ehrenwerten Schafsköpfe der deutschen Akupunktur auf die Schulter klopften und sich gegenseitig ihre Kompetenz bestätigten, hielt es kein einziger für nötig, einmal öffentlich auf diese Diskrepanz hinzuweisen und den Wiener Schwatzmeister dazu zu bringen, beim Unsinn mit der "Organuhr" wenigstens eine einheitliche Unsinnslinie einzuhalten.

 

8) Die Fließrichtung der Meridiane

Oder die Fließrichtung in den Meridianen. Nehmen wir Magen36-Zusanli, an der Tibiakante unterhalb des Knies gelegen und zusammen mit Dickdarm4-Hegu (im Hautwinkel zwischen Daumen und Zeigefinger gelegen) der meistverwendete Akupunkturpunkt. Er soll auf Psyche, Magen und Verdauungssystem wirken und wird überwiegend "auffüllend" ("tonisierend") genadelt. Aber der Theorie zufolge fließt ja das "Qi" im Magen-Meridian vom Kopf zum Fuß. Wie also soll vom Knie aus irgendein Qi im Oberbauch oder im Kopf aufgefüllt werden? Läuft das vielleicht über den Fuß und füllt erst auf dem Umweg über den Milz-Meridian andere Regionen auf? Oder blockiert die Nadel den Qi-Fluss, so dass es sich im Oberlauf des Magen-Meridians staut?

Fragen, für die man kein Fachwissen braucht, sondern nur gesunden Menschenverstand. Aber genau daran fehlte es den Deutschen, die als Schüler ebenso treu und doof waren wie als Lehrer anmaßend. Dumm wie die Schafe glaubten sie alles was man ihnen erzählte, frech wie Oskar erzählten sie es weiter. Und sie tun es bis heute.

 

9) Wie wichtig war die Akupunktur in Chinas Altertum?

Was die Gründerväter der deutschen Akupunktur 1951 nicht wussten: Soulié de Morant und Roger de la Fuye hatten sie gleich mehrfach beschwindelt. Gelogen war nicht nur, dass die beiden ihre Akupunktur in China bzw. Japan gelernt hatten. Geschwindelt war auch, dass die Akupunktur, wie Soulié in einem Aufsatz behauptet hatte, "der wichtigste Zweig der chinesischen Medizin" sei. Geschwindelt war drittens, dass die Akupunktur im China dieser Zeit überhaupt eine bedeutende Rolle spielte.

Tatsächlich war sie, nachdem man sie 1822 an der kaiserlichen Medizinakademie verboten hatte, im Reich der Mitte zu einer Rarität geworden. Doch dieses Verbot war wohl kaum vom Himmel gefallen. Vielmehr ist anzunehmen, dass die Akupunktur schon in den Jahrhunderten davor kaum von Bedeutung war, zumindest am Kaiserhof. Fraglich ist sogar, ob sie in der klinischen Realität des chinesischen Altertums jemals eine bedeutende Rolle gespielt hat. Wenn das der Fall gewesen wäre, müsste beispielsweise irgendwann einmal bei einem kranken Kaiser eine Akupunktur vorgenommen worden sein. Darüber jedoch existiert kein einziger unanfechtbarer Nachweis.

Und da, wo tatsächlich Akupunktur zur Anwendung kam, lassen die vorhandenen Berichte darauf schließen, dass die Nadeln keineswegs, wie heute üblich, bei Funktionsstörungen, Schmerzen und psychosomatischen Beschwerden eingesetzt wurden, sondern im Gegenteil bei schwerwiegenden Zustandsbildern, ja sogar Notfällen (z.B. Cholera). Angesichts der Infektionsgefahr, die früher von den dicken, schmutzigen, oftmals oxidierten oder korrodierten Nadeln ausging, war das auch nicht verwunderlich.

 

10) Die Wiedergeburt der Akupunktur

Wenn man Mao 1940 in Yanan gefragt hätte, ob man später einmal im ganzen Reich der Mitte Akupunktur lernen würde, hätte er lauthals gelacht. Er, der Kaiser des neuen China, dachte anfangs nicht im Traum daran, die alte Medizin neu zu beleben. Sein eigener Leibarzt war immer ein westlich ausgebildeter Mediziner. Zwar konnte das Land, weil es nur wenige zehntausend moderne Ärzte gab, nach 1949 auf die traditionellen Praktiker nicht verzichten. Aber Mao ordnete an, dass diese gefälligst die wissenschaftliche Medizin lernen sollten. Erst fünf Jahre später wandte sich das Blatt. Auf einmal galt als verdächtig, wer Kontakt mit westlichen Institutionen gehabt hatte. Von den modernen Medizinern waren das so gut wie alle. Also wurde die traditionelle Medizin aus rein politischen Gründen wiederbelebt.

Und die Akupunktur wurde im Grunde komplett neu erfunden. Wie nie zuvor in Chinas Altertum lehrte man sie jetzt anhand von anatomischen Karten, die jedem Therapeuten zeigten, welchen Weg seine Nadel nahm. Desinfektion der Einstichstelle (und damit gleichzeitig der nadelnden Finger) wurde jetzt ebenso selbstverständlich wie die Sterilisation der Nadeln nach dem Gebrauch. Auch so etwas hatte es im Altertum nie gegeben. Das Ganze geschah jetzt mit dünnen Nadeln aus rostfreiem Stahl. Diese machten nicht nur das Durchstechen größerer Nerven ungefährlich, etwa des Nervus medianus beim Punkt Herzbeutel6-Neiguan. Sondern sie führten selbst dann, wenn vielleicht ein Dummkopf Leber oder Niere anstach, kaum einmal zu wirklich gravierenden Folgen.

Also eine doppelte Neuerfindung, in China wie im Westen. Im Westen wurde die Akupunktur aus der Not des Lügners Soulié de Morant heraus erfunden, nachdem er einmal behauptet hatte, er würde die Nadeltherapie beherrschen. In China wurde sie aus politischen Kalkül wiederbelebt, als Bastard aus alter Theorie, neuem Wissen, neuem Material und neuen Anwendungsbereichen. Doch mehr als 40 Jahre hindurch wussten die Akupunkteure im Westen und in China kaum etwas voneinander.

 

11) Fragen Verboten!

Dabei hatten beide – die westliche wie die chinesische Akupunktur – eine geradezu mystische Gemeinsamkeit: den Verzicht auf kritische Fragen.

Die westlichen Nadelfreunde verzichteten darauf in ihrer Mischung aus Faulheit, deutschem Kadaverglauben und Geschäftstüchtigkeit. In China gab es keine inhaltliche Kritik an der alten Medizin, weil sie politisch unerwünscht war. Als die modernen Ärzte ab 1954 im Zuge der politischen Kampagnen obligatorisch TCM-Kurse belegen mussten, wurde ihnen als erstes Gebot mitgeteilt: "Fragen verboten!" Und nachdem den Wissenschaftlern der Mund verboten war, hüteten sich die traditionellen Praktiker erst recht, irgendwelche kritischen Fragen zu stellen – geschweige denn einzugestehen, dass sich die meisten davon nicht beantworten ließen.

Blauer Dunst und unverschämtestes Selbstlob waren schon im chinesischen Altertum Merkmal der Wanderärzte gewesen, die auf den Marktplätzen ihre Kunden suchten. Jetzt, unter dem Schutz der politischen Kampagnen, gab es schon gar keinen Grund, selbstkritisch mit den eigenen Inhalten umzugehen. So ist denn Lüge, Selbstlob und das Totschweigen von Fragen bis heute nicht nur ein Merkmal der Kommunistischen Partei Chinas geblieben, sondern auch der "State Administration of Traditional Chinese Medicine" SATCM.

 

12) Nogier erfindet die Ohrakupunktur

Aber die Entwicklung blieb nicht stehen, im Westen nicht und in China schon gar nicht. In Südfrankreich hatte der Arzt Paul Nogier von Patienten gehört, dass es in Nordafrika bei bestimmten Beschwerden Kauterisationen am Ohr gegeben haben sollte. Eines Tages fiel ihm auf, dass die menschliche Ohrmuschel einem Fetus gleicht, den Kopf nach unten gerichtet. Dies, so meinte er, könne kein Zufall sein. Also verband er die beiden Aspekte zu einer neuen Therapie: der Ohrakupunktur. Alle Organe und Körperteile sollten seiner Meinung auf der Ohrmuschel repräsentiert sein, beruhend auf der Topographie des kopfstehenden Fetus, also beispielsweise das Auge in der Mitte des Ohrläppchens. Und diese Eins-zu-Eins-Zuordnung von Ohrmuschelpunkten zu bestimmten Organen und Körperpartien sollte seiner Theorie zufolge zur Diagnose ebenso taugen sollte wie zur Therapie.

 Das Ganze krankte allerdings schon an einem: Wenn die genetisch-neuronale Beziehung zwischen Ohrmuschel und dem gesamten Organismus wirklich gesetzmäßig die Form des kopfstehende Fetus erzeugte, dann hätte dies – da doch alle Säugetiere im Leib des Muttertieres in ähnlicher Haltung heranwachsen – bei allen Säugetieren so sein müssen. Aber allein ein Blick auf die Ohrformen all der verschiedenen Hunderassen zeigte, dass dies nicht der Fall war.

Weiter krankte sein System daran, dass die gesamte Aurikulotherapie niemals in einem unabhängigen Krankenhaus klinisch getestet wurde. Das hielt die gläubigen deutschen Aku-Schafe jedoch nicht davon ab, das System sogleich zu übernehmen – und bald auch als obligatorischen Teil in ihren Aku-Kursen zu lehren.

 

13) Wie die Ohrakupunktur nach China kam

In China erschienen die ersten Berichte über die Ohr-Therapie 1959. Wenig später kamen die ersten Bücher dazu auf den Markt. Von der Politik waren die Chinesen daran gewöhnt, nichts von der alten Medizin prinzipiell in Frage zu stellen. So kam auch in China niemand auf die Idee, dass man die Hypothesen Nogiers, wie alle anderen auch, erst einmal hätte sorgfältig überprüfen müssen. Nirgends wäre das leichter gewesen als in China, wo es damals kaum private Praxen gab, sondern der größte Teil der Behandlungen sich in Krankenhäusern abspielte.

Als erstes wäre die diagnostische Hypothese der Ohrakupunktur zu prüfen gewesen: Wurden bei Beschwerden von Körperteilen oder inneren Organen tatsächlich definierte Ohrpunkte schmerzhaft bzw. veränderten ihren elektrischen Widerstand?

Ein Versuch hätte gereicht. Man hätte bloß an einem großen Krankenhaus hundert beliebige Patienten nacheinander auf einen Stuhl setzen müssen, und zwar hinter einem Tuch verborgen, so dass nur ein Ohr zu sehen und zu betasten war. Dann hätten einige Akupunkteure prüfen können, ob sie allein am Ohr mit einem Drucktaster oder einem Widerstandsmessgerät brauchbare Diagnosen hätten erstellen können. So hätte die Welt definitiv gewusst, was von diesem Teil der Ohrakupunktur zu halten war.

Doch wie schon im Westen, so wurde auch in China nirgends eine solche Prüfung unternommen. Dieselben Funktionäre, die ihren Schülern das Fragen verboten hatten, übernahmen jetzt die Ohrakupunktur, als wäre sie allgemein anerkanntes Wissen. Auch hier ein wissenschaftliches Desaster, in China nicht anders als im Westen.

Immerhin wurde eine Zeitlang Nogier als Begründer dieser neuen Therapie genannt. Doch dann fanden die Chinesen eine Stelle in einem Klassiker, der zufolge sich alle Leitbahnen am Ohr treffen würden. Das reichte, um von nun an zu behaupten, die Ohrakupunktur sei wie die Körperakupunktur eine uralte chinesische Erfindung. In Wahrheit gibt es in mehr als 2000 Jahren chinesischer Akupunkturliteratur an keiner Stelle auch nur das Wort "erzhen" (Ohrakupunktur), auch nicht die Empfehlung, bei bestimmten Erkrankungen Punkte auf der Ohrmuschel zu nadeln. Noch viel weniger gibt es die Topographie des kopfstehenden Fetus samt den dazugehörigen Organbeziehungen. Doch als bald darauf westliche Ärzte wie der Österreicher König nach China kamen, ließen auch sie sich diesen Bären aufbinden. Zurück in Europa, verkündeten sie brav das Märchen von der "chinesischen Ohrakupunktur" – das ewige Lied des unkritischen Nachplapperns und Abschreibens, das unsere Akupunkturgesellschaften bis heute singen.

 

14) Deutschlands Dichter Johann Wolfgang

Doch die Entwicklung ging nicht bruchlos und kontinuierlich nach oben. Erst einmal wurde die 1952 gegründete "Deutsche Zeitschrift für Akupunktur" 1969 aus Mangel an Interesse eingestellt. Wenig später, im Zuge des Nixon-Besuches in China, wurde die Akupunktur schlagartig populär. Aber Chinesen, die sie in Europa kompetent hätten unterrichten können, gab es nicht. Es gab auch keine Leute, die sowohl medizinisch versiert waren als auch das Chinesische beherrschten. Die braven deutschen TCM-Schafe focht das nicht an. Es reichte, das jemand "aus Asien" kam, um anzunehmen, dass er sich mit der chinesischen Medizin auskannte. Ein Beispiel dafür war Nguyen Van Nghi, ein in Frankreich lebender Vietnamese. Er sprach und las kein Wort chinesisch, doch gab es in seiner Heimat ein Lehrbuch, das holprig aus dem Chinesischen ins Vietnamesische übersetzt worden war. Das übersetzte er ins Französische, und von da übertrugen es gläubige Germanen ins Deutsche. Manchen gilt diese schwülstige Scharteke ("Pathogenese und Pathologie der Energetik in der chinesischen Medizin") bis heute als Standardwerk.

Wie sorgfältig die Deutschen dabei ihre Quellen prüften, zeigt ein hübsches Indiz: bis heute wird der Vietnamese hierzulande als "Van Nghi" zitiert. Dabei steht im Vietnamesischen wie im Chinesischen der Familienname am Anfang. Ihn als "Van Nghi" zu zitieren, ist so, als würden Amerikaner den größten deutschen Dichter nur "Johann Wolfgang" nennen.

 

15) Knapp daneben ist auch vorbei.

Ähnlich wie ihre Literaturrecherchen verliefen die Studienreisen dieser fulminanten Asienkenner. Warum eigentlich sollten sie nach China fahren, um Akupunktur zu lernen? Ging es nicht etwas näher und etwas billiger?

Aber sicher doch. Gabriel Stux beispielweise und andere tapfere Kreuzritter von der heißen Nadel setzten sich ins Flugzeug und begaben sich – wohin? Vielleicht Singapur, Hongkong oder Taiwan? Nein, nicht doch. Sondern sie landeten in Sri Lanka, das damals noch Ceylon hieß. Ausgerechnet Ceylon. Das war ungefähr so, wie wenn ein Chinese in die Schweiz fahren will, um die Herstellung von Schweizer Emmentaler zu lernen – aber weil er kein Visum in die Schweiz kriegt, begnügt er sich mit einem Käserei-Kurs auf Madagaskar.

Der Lehrer von Stux und anderen Zu-Kurz-Gekommenen war ein gewisser Jayasuriya. Der hatte in Shanghai einen Dreimonats-Kurs in Akupunktur absolviert, und das reichte, um auf Ceylon eine gutgehende Lehrklinik einzurichten. Allerdings gab es eine Besonderheit: Da die singhalesische Volksmedizin dem Kopf eine überragende Stellung einräumt, war Jayasuriyas Hauptpunkt, den er bei jeder Gelegenheit nadelte, der Punkt Du20-Baihui in der Mitte des Schädeldaches. Und die ahnungslosen Deutschen machten es ihm nach.

Heute ist in den Büchern von Gabriel Stux jeder Hinweis auf Jayasuriya getilgt. Und als er seine Praxis in Düsseldorf eröffnete und der ersten Patientin erzählte, er habe seine Akupunktur auf Ceylon gelernt, soll sich diese an das ceylonesische Dreibeinklavier in Stuxens Praxis gesetzt und das Lied angestimmt haben "Wärst du doch in Düsseldorf geblieben!". Sogleich benannte Stux seine "Deutsch-Ceylonesische Akupunkturgesellschaft" in "Deutsche Akupunktur Gesellschaft Düsseldorf" um. Aber immer noch empfiehlt er in seinen Büchern bei allen Indikationen – ob Schlafstörungen, Magenschmerzen, Kinderwunsch oder Rückenbeschwerden – Du20-Baihui, den Hauptpunkt des Ceylonesen. Und das in einem Lehrbuch, das immerhin im wissenschaftlichen Springer Verlag erschien. So viel zum Thema Wissenschaftlichkeit bei der Ceylonesischen Nadelgesellschaft Düsseldorf, oder wie sie sich heute nennen mag.

 

16) Neue Desaster, neue Mikrosysteme.

60 Jahre wissenschaftliches Desaster. Dazu gehörten nicht nur die blind geglaubten Spekulationen von de la Fuye und Soulié de Morant. Oder die niemals überprüften Theoreme der Ohr-Akupunktur. Oder der ceylonesische Kopfpunkt als Allheilmittel des Gabriel Stux. Dazu gehörten auch neue Mikrosysteme, die immer wieder auf den Markt drängten: Systeme, die wie die Ohrakupunktur behaupten, dass der ganze Organismus auf einem Körperteil repräsentiert sei und durch entsprechende Nadelung therapiert werden könne.

Ein Japaner namens Yamamoto kam daher und lehrte seine Erfindung, die er in schöner Bescheidenheit "Yamamoto New Scalp Acupuncture" nannte. Auch die wurde, wie schon die Ohrakupunktur, von den deutschen Schafen kritiklos geglaubt und gelehrt. Selbst als China sich längst geöffnet hatte, ging das Spiel weiter, am schlimmsten unter der Ägide der DÄGfA-Präsidentin Walburg Maric-Oehler. Während diese alle kritischen Stimmen resolut zum Schweigen brachte, öffnete sie die DÄGfA jeder noch so obskuren Richtung, beispielsweise der "koreanischen Handakupunktur". Bei der repräsentiert der Mittelfinger den Kopf, Zeige- und Ringfinger die Arme, Daumen und Kleinfinger die Beine, und die Handfläche den Rumpf samt Organen. Auch dies natürlich, ohne dass jemals ein neutrales Krankenhaus wenigstens ein einziges Mal ein Dutzend Patienten einem Handakupunkteur zu Diagnose und Therapie vorgeführt und dessen Resultate dokumentiert hätte.

So waren und so sind sie, die deutschen Aku-Gesellschaften: Während sie auf Kritiker wie mich nach Kräften einprügeln, findet jeder Spinner, jeder Phantast, jeder Yin-Yang-Harmonisierungsschwätzer bei ihren Kursen und Kongressen stets ein offenes Ohr.

 

17) Verpasste Gelegenheiten und der Mythos "Qi"

Natürlich gab es immer wieder Phasen, in denen ein Nachdenken möglich gewesen wäre, vielleicht sogar ein Umdenken. Ein solcher Zeitpunkt war ohne Frage erreicht, als China ab 1972 für ausgesuchte TCM-Freunde und ab 1980 für alle Westler offen war. Da hätte man nun wirklich die chinesischen Quellen studieren, Widersprüche aufklären, Begriffe abklären können. Schon 1975 war das"Outline" erschienen, Chinas erstes Akupunkturbuch für Ausländer, fast ganz ohne TCM-Philosophie. 1980 erschienen die "Essentials", mit einer Rückkehr der TCM-Theorie. Wenig später erschienen auch die ersten chinesisch-englischen TCM-Wörterbücher.

Spätestens jetzt wäre auch der Zeitpunkt gewesen, mit dem größten Missverständnis aufzuräumen, das sich seit Soulié de Morant eingebürgert hatte: dem Gerede von der Lebensenergie "Qi", die angeblich in den Meridianen fließen sollte. Denn alle chinesischen Quellen – Klassiker, moderne Lehrbücher und Wörterbücher – machten eines unmissverständlich klar: in der chinesischen Vorstellung war der Fluss dieses "Qi" stets untrennbar verbunden mit dem Fluss von Blut. Die Meridiane der alten Chinesen, so zeigten die Quellen, waren ein früher und weitgehend spekulativer Versuch, eine Blutzirkulation zu beschreiben. Und was das Qi betrifft, so hat es im Chinesischen hundert Bedeutungen, von Luft und Gas über die menschliche Wut bis hin zur Ursubstanz, aus der das ganze Universum aufgebaut ist. In den Jingluo (Leitbahnen, "Meridiane") jedoch, wo es zusammen mit dem Blut durch den Körper fließen soll, ist "Qi" offenbar ein Sammelbegriff für die Feinsubstanzen, die der Körper aus Luft und Nahrung extrahiert.

Spätestens jetzt hätten alle Vorstellungen von quasi-immateriellen "Energiebahnen" im Körper in sich zusammenfallen müssen. Wenn Blut und Qi in der chinesischen Vorstellung untrennbar zusammengehörten, kann da, wo es nachweislich keinen Blutfluss gibt, beim besten Willen auch kein Qi fließen. Damit war ein Konstrukt wie die Dickdarm-Leitbahn, die einen direkten Fluss von Blut und Qi von der Hand zum Kopf postulierte, definitiv vom Tisch – und damit im Grunde das gesamte Meridiansystem.

 

18) Kein Erforschen von Grundlagen und Grundbegriffen

Auch die Grundbegriffe des Faches hätte man jetzt endlich studieren können. Nein, mehr: die Grundlagen.

 Zum Beispiel die Eigenschaften der Punkte: wann und von wem in der chinesischen Medizingeschichte waren den einzelnen Punkten eigentlich jene oftmals wunderbaren Eigenschaften zugesprochen worden, wie sie heute (in China oftmals anders als im Westen) gelehrt werden? Gab es darüber in China Debatten oder gar Streit? Gab oder gibt es wesentliche Unterschiede bei verschiedenen Autoren?

Oder Theorie und Praxis: Werden die theoretischen Prämissen, wie sie die chinesischen Lehrbücher in ihrem ersten Teil beschreiben, in der klinischen Praxis wirklich angewandt? Oder auch nur im klinischen Teil derselben Bücher? (Nein, werden sie nicht.)

Oder die funktionellen Kategorien wie "antike Punkte", Tonisierungs- und Sedierungspunkte, Yuan- und Luo-Punkte, Kardinal-, Spalt-, Meister-, Alarm- oder Zustimmungspunkte: In welchen chinesischen Quellen sind sie erstmals beschrieben? Was bedeuten sie dort? Gibt es Anlass zur Annahme, sie könnte im Kern empirisch begründet sein? Oder entspringen sie erkennbar spekulativen Prämissen, die nicht nur unserem medizinischen Wissen widersprechen, sondern schon dem gesunden Menschenverstand? (Ja, genau das tun sie zum überwiegenden Teil.)

Nichts davon wurde gefragt, nichts studiert, nichts diskutiert. Die Kontakte mit chinesischen TCM-Instituten, die in der Folgezeit geschlossen wurden, diente niemals zum Lösen offener Fragen, sondern stets nur zur gegenseitigen Bestätigung einer in Wahrheit nicht vorhandenen Kompetenz.

 

19) "Fachleute" ohne Ahnung von der Fachliteratur

Die Funktionäre, die damals wie heute das Sagen hatten, schafften es nicht einmal, die wichtigsten Bücher des Fachgebietes, wenn schon nicht zu studieren, so sie sich wenigstens zu beschaffen. Die DÄGfA, die einen Teil ihrer Millionen in einem sogenannten "Wissenschaftszentrum" investiert hat, verfügt unter anderem auch über eine Bibliothek. Da stehen zwar die drei halboffiziellen Aku-Lehrwerke in englischer Sprache, die 1975, 1980 und 1987 in China erschienen. Ansonsten aber ist kein einziges der maßgeblichen chinesischen Grundlagenwerke zur Akupunktur vorhanden.

Und wenn man die Schriften der DÄGfA-Dozenten studiert, stellt man fest, dass auch von denen 99 Prozent niemals eines dieser Werke in der Hand hatten: nicht das bisher größte, an die 4000 Seiten umfassende Akupunktur-Sammelwerk von Wang Deshen. Nicht das "Han-Ying Zhongyi Cihai", das umfangreichste chinesisch-englische TCM-Wörterbuch mit fast 2000 Seiten und mehr als 25.000 Einträgen. Auch nicht die über jeweils 1000 Seiten umfassenden Speziallexika zur Akupunktur. Nicht die großen Bibliographien zur chinesischen Akupunkturliteratur. Nichts, nichts, gar nichts. Eine Schande, die zum Himmel schreit.

 

20) Eine Scherzbuch namens "DÄGfA-Repetitorium"

1990 machte die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur einmal den ehrenwerten Versuch, ihre Lehrinhalte in knapper Form zusammenzustellen. Das Büchlein nannte sich "Akupunktur-Repetitorium"; Herausgeber war Raymund Pothmann. Da fand sich dann der alte sattsam bekannte Quatsch wie "Meridiane und Kollateralen (Jing Luo) sind 'Gefäße', in denen 'Qi' zirkuliert". (Nein, siehe oben: alle chinesischen Quellen stimmen darin über ein, dass darin "Qi und Blut" fließen soll). Lustigerweise steht das auch wörtlich an einer anderen Stelle, aber in einer absurden Formulierung:"Qi und Blut fließen in 24 Stunden einmal durch alle Meridiane bzw. Organsysteme". Woher hatten die DÄGfA-Leute das? Von der modernen Medizin nicht, aber auch nicht von den TCM-Quellen, denn laut Huangdi Neijing sollten es "50 Zyklen in einem Tag und einer Nacht sein".

Die schönste Formulierung aber stammte vom Herausgeber Pothmann selber. Der schreibt nämlich gleich am Anfang: "Danach wird das gesamte Universum dualistisch nach den Polaritäten Yin und Yang eingeteilt. Die dazwischen liegende Spannung wird als Qi bezeichnet, ein Begriff, der für Lebensenergie steht." Umwerfend! Mehr Geschwätz geht wirklich nicht. Demnach sollte es die "Spannung zwischen Yin und Yang" sein, die in den Meridianen zirkulierte? Das Yuan-Qi war die Yuan-Spannung? Die "Nahrungsenergie Jing-Qi", wenig später erwähnt, die "Nahrungsspannung"?

Zum Totlachen. Diesen Schwachsinn, so denkt man, wird doch sogleich jemand korrigiert haben, einer der vielen Fachleute, die an dem Büchlein mitarbeiteten, von Gleditsch, Garten, Rubach, Pollmann bis hin zu Frau Maric-Oehler (seit 1991 DÄGfA-Vorsitzende) und Wolfram Stör (seit 2010 DÄGfA-Vorsitzender). Erhob sich also ein brausendes Gelächter, das diesen Unsinn weggefegt hätte?

Aber nicht doch. 1994 erschien die nächste Auflage, und die herrliche Definition des Pothmannschen Qi als Yin-Yang-Spannung stand immer noch drin. Ebenso 1997, als die letzte Auflage dieses schmählichen Bändchens herauskam. Inzwischen war zwar das peinliche Kriterienpaar "Oben-Unten" entfernt, das Herr Pothmann den "acht diagnostischen Kriterien" 1990 hinzugefügt hatte, und ersetzt durch das Paar "Fülle-Leere", das dort korrekterweise hingehörte, jedenfalls wenn man das chinesische "Shi" als "Fülle" übersetzen wollte. Aber das "Qi als Spannung zwischen Yin und Yang" blieb bis zur letzten Auflage im DÄGfA-Repetitorium. Die spinnen, die deutschen Akupunkteure, wird da mancher Chinese gedacht haben – falls er das Machwerk denn gelesen hätte.

Noch andere Punkte waren blamabel. Zum einen die Darstellung der oben beschriebenen Pulsdiagnose, mit der direkten Eins-zu-Eins-Zuordnung der Taststellen zu bestimmten Organen, rechts andere "Organe" (wie oben angemerkt, nicht die der Biologie, sondern der TCM) als links, und in der Tiefe andere “Organe” als an der Oberfläche.

Blamabel war auch eine "Zusammenfassung aller wichtigen Punkte", die in Wahrheit lediglich diejenigen Punkte angab, die einer der zahlreichen funktionellen Kategorien (siehe oben) angehörten. Aber in der klinischen Praxis wird etwa die Mehrzahl der angeblichen "Tonisierungs- und Sedierungspunkte" so gut wie nie angewandt. Dasselbe gilt auch für die Mehrzahl der anderen Kategorie-Punkte – wie ich dies selber in meiner 1990 erschienenen "Allgemeinen Statistik der Akupunkturpunkte" nachgewiesen hatte.

 

21) Klammheimliche Korrekturen

In der 3. Auflage des DÄGfA-Repetitoriums waren die funktionellen Kategorien immer noch umfassend beschrieben. Ihre Kennzeichnung als "wichtigste Punkte" war jedoch weggefallen. Warum eigentlich?

In der Sache war das ohne Frage richtig. Wie der Wandel allerdings zustande kam, war typisch für das Vorgehen der Aku-Gesellschaften. Die Abänderungen, Weglassungen, Hinzufügungen und Korrekturen, die seit 1951 in den Lehrinhalten stattfanden, sind Legion. Aber alle Korrekturen gingen klammheimlich über die Bühne, immer nach der Adenauerschen Devise "Wat jeht mich mein dummet Jeschwätz von jestern an". Niemals gab es ein öffentliches Eingeständnis, dass man sich in der Vergangenheit mit der Definition von Begriffen, mit Fragen der Nadeltechnik, mit der Bewertung theoretischer  Prämissen geirrt hatte. Nur nicht zugeben, dass man etwas nicht weiß und nicht wusste – das ist seit jeher das Credo all der Rosstäuscher und Plagiatoren, die in den Aku-Gesellschaften das Sagen hatten und haben.

Warum verzichtete man auf die Angabe dessen, was Bachmann und Soulié de Morant die "Energieanteile in den Meridianen" genannt hatten, konkret etwa beim Herzmeridian "7/10 Yang und 3/10 Yin"? Oder bei Dickdarm- und Magenmeridian "5/10 Yang und 5/10 Yin"? Nie eine Erklärung, nie eine öffentliche Diskussion.

Warum ging man von den Gold- und Silbernadeln ab, wie sie das erste deutsche Akupunkturlehrbuch 1952 für "Tonisierung" und "Sedierung" gelehrt hatte? Natürlich deshalb, weil die Chinesen andere Nadeln verwendeten. Doch gab es auch dazu nie eine Erklärung, schon gar nicht gegenüber den Ärzten, denen man jahrelang anderes beigebracht hatte.

Warum ging man von den geringen Stichtiefen ab, die man zu Zeiten Bachmanns gelehrt hatte (Bischko und die Österreicher noch heute), und lehnte sich an die Stichtiefen in den chinesischen Büchern an? Nie eine öffentliche Erklärung.

Warum verzichtet die DÄGfA seit einigen Jahren auf das hervorgehobene Lehren der "Tonisierungs- und Sedierungspunkte", lässt es jedoch zu, dass diese im "Musterkursbuch Akupunktur" der Bundesärztekammer als Teil des offiziellen deutschen Aku-Curriculums aufgeführt sind? Nie eine öffentliche Erklärung.

Mit welchem Recht wird heute die Ohrakupunktur nahezu gleichberechtigt mit der chinesischen Körperakupunktur gelehrt und geprüft? Nie eine Diskussion, nie eine Erklärung.

Müssten nicht heute, da die TCM nicht mehr wie in der Antike für akut bedrohliche Zustände und Erkrankungen verwendet wird, sondern für Schmerzen und chronische Beschwerden, alle diagnostischen und therapeutischen Angaben der chinesischen Quellen darauf hin überprüft werden, ob sie den veränderten Bedingungen entsprechen? – Nie eine Erklärung, nie eine Diskussion.

Welche neuen Erkenntnisse oder Forschungsergebnisse haben eigentlich die diversen DÄGfA-Vorsitzenden eingebracht, von Gerhard Bachmann, Heribert Schmidt, Rolf von Leitner über C. C. Schnorrenberger und Jochen Gleditsch bis zu Walburg Maric-Oehler und jetzt Wolfram Stör? Auf der DÄGfA-Website findet sich dazu kein einziges Wort.

Warum kam von den Akupunkturgesellschaften kein Laut des Protestes, als das Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf 2005 einen TCM-Lehrstuhl ausschrieb, ohne zu verlangen, dass der künftige TCM-Professor die chinesische Sprache beherrschen müsste? Na klar – weil die Präsidenten und Vorsitzenden der Aku-Gesellschaften damit auf ihre eigene Inkompetenz hätten hinweisen müssen.

 

22) Funktionäre, keine Wissenschaftler

Mit Walburg Maric-Oehler wurde 1991 ein neuer Typ zur DÄGfA-Vorsitzenden gewählt: Hundert Prozent Funktionärin, null Prozent Wissenschaftlerin.

Ihre eigenen Äußerungen zur chinesischen Medizin triefen von Peinlichkeit, etwa wenn sie 2009 auf dem Schweizer ASA-Kongress über das Herz in der TCM ausführt: "Zuviel Freude schadet dem Herzen durch Überreizung. Das Qi wird locker, zuviel Feuer und schädigt Qi und Blut, schliesslich das Lungen-Po und das Nieren-Jing. Das führt zu Trauer und Angst. Das Herz fällt in die Hosen, es entsteht Angstschweiss."Doch als Funktionärin war sie unübertrefflich.

Als erstes brachte sie in der DÄGfA jede abweichende Meinung rigoros zum Schweigen. Einen Beitrag aus meiner Feder über die Auseinandersetzung zwischen Manfred Porkert und C.C. Schnorrenberger in den 70er Jahren, der in der DÄGfA-Zeitschrift erscheinen sollte, warf sie am Tag vor der Drucklegung hinaus, weil er ihr zuviel Zündstoff enthielt. Ähnlich ging sie mit anderen – milderen – Kritikern um: sie wurden isoliert, entmutigt, ins Abseits gedrängt.

Dann tat sie sich mit den Chefs der anderen Aku-Gesellschaften zusammen. Gemeinsam machten diese, was sie in Perfektion beherrschte: Gemauschel hinter den Kulissen. Mit der vereinten Kraft ihrer schieren Mitgliederzahlen (30.000 von ca. 200.000 niedergelassenen Ärzten) schafften sie es, die Bundesärztekammer ebenso über den Tisch zu ziehen wie den Bundesärztetag 2003: In der Annahme, es gäbe so etwas wie ein anerkanntes und wissenschaftlich fundiertes Akupunktur-Curriculum,  beschloss Deutschlands Ärzteschaft die Einführung der "Zusatzbezeichnung Akupunktur". Standespolitisch ein Erfolg ohnegleichen – aus wissenschaftlicher Sicht eine Katastrophe.

 

23) GERAC-Studien und Punktspezifität

Von der Öffentlichkeit fast unbemerkt, fanden 2002 bis 2004 die umfangreichsten Studien zur Wirksamkeit der Akupunktur statt, die weltweit jemals durchgeführt wurden. Sie erbrachten zwei bedeutende Ergebnisse.

Das erste war, dass die Akupunktur bei einigen Indikationen – zum Beispiel bei Wirbelsäulenbeschwerden und Knieschmerzen – besser wirkt als die herkömmliche medikamentelle Schmerztherapie.

Das zweite Ergebnis: Eine Akupunktur, bei der die Nadeln absichtlich an "falschen" Stellen gestochen wurden, ergab fast dieselben Resultate wie bei einer Nadelung der "richtigen", d.h. von den Lehrbüchern empfohlenen Punkten.

Zwar hatte die Studie eine Reihe von Mängeln, die bei einem Verfahren wie der Akupunktur kaum auszuschließen waren, schon gar nicht bei einer Studie mit Tausenden von Teilnehmern. Einige Kritiker zogen aus den Ergebnissen den Schluss, die Akupunktur sei wohl doch nichts anderes als Placebo-Therapie – was schon deshalb höchst unwahrscheinlich ist, weil auch die Nadelung "falscher" Punkte stets eine Mikro-Verletzung ist. Und diese bewirkt jedenfalls eine Kaskade von Körpervorgängen, die nicht nur das Psychische betreffen.

Die richtige Schlussfolgerung, jedenfalls aus Sicht kritischer Akupunkturforscher, ist eine andere: offenbar ist die Punktspezifität – also die spezielle Wirkung einzelner Punkte, die der Theorie nach anders sein soll als die aller anderen Punkte – viel geringer als bisher angenommen. Vieles spricht dafür, dass die Resultate der Akupunktur eben nicht auf solchen spezifischen Punktwirkungen beruhen, sondern erstens auf der Allgemeinwirkung der Nadelung, zweitens auf ihrer lokalen Wirkung auf das benachbarte Gewebe.

Damit würde aber das zusammenstürzen, was derzeit in den Akupunkturkursen die meiste Zeit dauert (und den Gesellschaften das meiste Geld bringt): das Erlernen der angeblich spezifischen Punktwirkungen.

Das ist der Grund, dass eine ernsthafte (und öffentliche!) Diskussion dieser grundlegenden Studie in den Akupunkturgesellschaften so gut wie gar nicht stattgefunden hat. Auch das ein Beleg dafür, wie deprimierend es um die Wissenschaftlichkeit dieser Branche bestellt ist.

 

24) Wissenschaftliche Kastraten als TCM-Professoren

2006 konnte der Versuch des Hamburger UKE, einen TCM-Professor zu etablieren, der kein Chinesisch konnte, noch abgewendet werden. Inzwischen sieht es so aus, als würden alle Schranken und alle fachlichen Schamgrenzen nach und nach verschwinden. Am 6. Juli dieses Jahres gab die Technische Universität München bekannt, dass der Münchener Internist Carl-Hermann Hempen als Honorarprofessor einen Master-Studiengang "Traditionelle Chinesische Medizin" einrichten soll. Damit ist genau das eingetreten, was 2006 noch verhindert werden konnte: ein Professor für chinesische Medizin, der nicht imstande ist, die Originaltexte seines Faches zu lesen. Wie will Hempen historische, inhaltliche oder terminologische Fragen beantworten, wenn er das nicht kann? Also schlicht lächerlich – der Bock als Gärtner, ein wissenschaftlicher Kastrat als Professor. Eine Schande für das Fach, eine Schande für das deutsche Hochschulwesen. Eine Schande für die TU München.

Was aber soll man von denen erwarten, die in diesen Kursen "ausgebildet" werden?

Meiner Meinung nach sehr wenig. Insbesondere die Akupunktur, dieses wunderbare, einfache Verfahren, wird gelehrt werden wie gehabt: aufgebläht und verschwurbelt durch obsolete Theorien und Bewertungen.

Und weil das so sein wird – und weil auch Wolfram Stör, der gegenwärtige DÄGfA-Vorsitzende, mehr Funktionär ist als Wissenschaftler – lässt sich jetzt schon vorhersagen, dass der chinesischen Medizin in Deutschland trotz ihrer spektakulären äußeren Erfolge demnächst ein Abstieg bevorsteht.

Empfehlung an die Patienten: wenn schon einen deutschen Akupunkteur, dann um Himmels willen keinen, der seine Nadelkunst in Deutschland gelernt hat. Wenn er in China war, hat man ihm auch dort viel antiquiertes Zeug beigebracht. Aber wenigstens konnte er in der Praxis sehen, was davon wirklich angewandt wird – und auch, so Gott will: wie man eine Nadel sticht, ohne dass es wehtut.

 

 (Abdruck, auch in Teilen, mit Quellenangabe frei)

[Home] [Mtg: 60 Jahre deutsche Akupunktur] [60 Jahre deutsche Akupunktur] [Presse-Mtg. und Beiträge] [UNESCO: Ist TCM Kultur?] [Aktuell: Soulié de Morant] [TCM in China] [TCM im Westen] [TCM: Offene Fragen] [Kontakt/Impressum]